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Strobnitz

Strobnitz
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Horní Stropnice
Horní Stropnice

Omen von Strobnitz

Strobnitz
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Das Strobnitz des Jahres 1930 war zur Hälfte ein Bauerndorf, zur Hälfte ein Markt:
Kuhgespanne tummelten sich auf dem Marktplatz, doch gab es hier auch ein bürgerliches Gemeinwesen, in dem das Gewerbe gut gedieh.

Auch den Geschäftsleuten und dem Fabrikanten ging es nicht schlecht. Hier lebte man in einer wirklich nachbarlichen Atmosphäre.

Jeder wusste alles über alle. Manchmal erschien aber ein unbekanntes Zeichen, das die Ruhe der Bevölkerung störte. Es handelte sich um ein gelbliches Licht, das etwas größer als ein Essteller war. Wenn man dieses geheimnisvolle Zichen irgendwo sah, glaubte man, es künde ein nahendes Unglück an. Dieser leuchtende Bote des Bösen schwebte zunächst am späten Abend über dem Eingang eines Hauses, dann erhob er sich, flog zur Kirche, dort hielt er sich kurz auf und setzte über dem Rathausdach in Richtung Fiedhof seinen Flug fort. Hier verweilte er an der Spitze des mächtigen Steinkreuzes und löste sich langsam auf. Über die Existenz dieses bösen Omens erfuhr ich noch als kleiner Bub. Am Morgen eines Osterfeirtages stand vor dem Eckhaus Nr. 17 am Marktplatz in Strobnitz eine größere Gruppe von Menschen, die sichtlich aufgeregt waren. In ihrer Mitte war Frau Fackenberg, eine ehemalige Wirtin. Sie wiederholte das, was sie schon oft an diesem Morgen gesagt und was sie mit eigenen Augen gesehen hatte.

Von Langstrobnitz her kamen immer neue Zuhörer. Die Augenzeugin musste immer wieder erzählen. Gestern Abend hatte sie gesehen, dass über dem Tore des Eckhauses an der Straße nach Langstrobnitz ein gelbes rundes Licht geschwebt und nach einiger Zeit zum Friedhof verschwunden sei. Die Strobnitzer wussten nun Bescheid: etwas Böses werde geschehen! Und so wunderten sie sich nicht mehr, als man im hinteren Trakt des Hauses einen Schuster erhängt fand.

Mein Vater erklärte mir, dass nicht das böse Zeichen den Tod des armen Schusters verursacht habe, sondern die Not. Schuster gab es in Strobnitz viele, an Arbeit mangelte es aber. So schien der Tod oft als einziger Ausweg. Diese realistische Erklärung des Vaters befriedigte mich nicht. Ich sah in den Worten der Frau Fackenberg etwas viel Romantischeres und Geheimnisvolleres. Es müsse doch so gewesen sein, wie es die Frau gesagt hatte. Sie sei doch viel älter, werde daher auch viel mehr wissen als mein Vater. Deshalb befragte ich die Leute und forschte im Archiv nach, um die Wahrheit zu erfahren. Nach Jahzehnten erfuhr in den Hergang der Ereignisse.

Seit wann es das verfluchte Omen in Strobnitz gab, konnte mir niemand mehr sagen. Es ist aber doch noch in Erinnerung, was am 20. März 1804 geschehen ist:

An diesem Abend wurde in Strobnitz der 18-jährige Josef Wagner aus Eifersucht und Hass ermordet. Die Tat hatten zwei junge Männer auf dem Gewissen: Der eine war der 21-jährige Viktorin Bartl, ein ungeschickter, dicker Mann und einem runden Kopf, auf dem schütteres, rotes Haar wuchs. In seinem fetten, roten Gesicht waren Schweinsaugen. Sein Blick war ausweichend. Immer wieder erhob er ein bissiges Gelächter. Der andere Mörder war ein erst 17-jähriger buckliger Zwerg namens Adalbert Rienesl. Die schicksalshafte Verbindung der beiden bürgerlichen Söhne hatte ihren Ursprung in ihrem Minderwertigkeitsgefühl. Sie waren mit dem ganzen Markt verfeindet. Sie rächten sich an schuldlosen Menschen. Jede feige Untat war ihnen recht. Mit Genuss beschädigten sie das Eigentum ihrer Mitmenschen.

Ihr letztes Verbrechen war ein Mord. Josef Wagner wurde wegen seiner Liebe zur 16-jährigen Luise ihr Opfer. Sie hatten auf Josefs Heimkehr von der Geliebten gewartet und töteten ihn durch zahlreiche Messerstiche. Seinen Leichnam warfen sie in den Mühlgraben. Das Wasser des Strobnitzbaches brachte ihn bis zum Hammerwerk. Die Mörder wurden zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe verbüßten sie weit weg von der Heimat in Theresienstadt in Nordwestböhmen, wo sie beim Bau der Festung mitarbeiten mussten.

Und gerade vor diesem Mord hatten die Leute von Strobnitz jenes geheimnisvolle Licht vor dem Eingang des Hauses Nr. 77, des Hauses der Familie Wagner, gesehen. Das böse Zeichen zeigte sich im Sommer des Jahres 1827 vor dem Elternhaus des buckligen Mörders Adalbert Rienesl wieder. Am nächsten Tag wurde sein jüngere Schwester Katherina auf dem Feld von einem Blitz erschlagen.

Einige Jahre später, am 4. Mai 1839, wiederholte sich die Erscheinung über dem Eingang des Hauses von Johann Grabmüller. Nach Mitternacht schreckte ein furchtbares Gewitter die Strobnitzer aus dem Schlaf. Danach kam so viel Wasser auf den Markt zu, sodass der Strobnitzer Bach zu einem wütenden Fluss anschwoll. Am Morgen wollte der vierjährige Sohn Grabmüller schauen, was die Leute alles aus den Fluten herausfischten. Meist handelte es sich um Holzklötze. Plötzlich war der kleine Hansi nicht mehr da. Vielleicht war er am nassen, glitschigen Stein ausgerutscht. Seine Eltern und die Nachbarn suchten mit Rufen vergeblich beide Ufer ab. Beim Hammerwerk wurde er später tot aus dem Wasser gezogen.

Die Gemeinde Horní Stropnice

Die Gemeinde Horní Stropnice besteht aus den Ortsteilen

Horní Stropnice (Strobnitz)
Dlouhá Stropnice (Langstrobnitz)
Bedřichov (Friedrichschlag, auch Fidretschlag)
Dobrá Voda (Brünnl)
Hojná Voda (Heilbrunn)
Hlinov (Tonnberg)
Humenice (Maierhof)
Chlupatá Ves (Rauhenschlag)
Konratice (Konradschlag)
Krčín (Gritschau)
Meziluží (Gutenbrunn)
Olbramov (Wolfersdorf)
Paseky (Schlagles)
Rychnov u Nových Hradů (Deutsch Reichenau)
Staré Hutě (Althütten)
Střeziměřice (Tritschmersch)
Svébohy (Zweiendorf)
Světví (Gschwendt)
Šejby (Scheiben)
Vesce (Dörfles) und
Vyhlídky

Aus der Schulchronik
Aus der Schulchronik

Die alte Schule in Strobnitz

Franz Steinko

Kinderfrühlingsfest

Lehrer-Strobnitz 1932